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Eine Schule der Solidarität
Die - fast - unendliche Geschichte unseres Weihnachtsbasars.
Seit 1985 (!) findet jeweils am Samstag vor dem ersten Advent in unserer
Schule der große Weihnachtsbasar zu Gunsten der Schulen in Villarrica/Chile
und Chimbote/Peru statt. Die große Gemeinschaftsaktion, unser wichtigstes
Sozialprojekt, in dem sich die gesamte Schulgemeinschaft engagiert. Wie
kam es zu dieser solidarischen Aktion für Kinder und Jugendliche in
Südamerika? Wie ist es möglich, dass ein solches Projekt über
einen so langen Zeitraum immer wieder weitergeführt und mit großem
Erfolg realisiert wird?
Initialzündung war im Jahr 1981 die Chile-Reise des damaligen stellvertretenden
Schulleiters, Hans Ringwald, die mit einem Besuch der Schule Pucara in
Villarrica verbunden war. Diese Schule wird von Franziskanerinnen vom Mutterhaus
Gengenbach geleitet, die seit 1936 in der Missionsarbeit in Chile besonders
mit Schulen und Krankenhäusern engagiert sind. In diesem Viertel am
Stadtrand von Villarrica, ca. 800 km südlich von Santiago, werden
die Ärmsten der Armen unterrichtet und verpflegt, denn nur mit einer
guten Ausbildung haben die jungen Menschen eine Chance, ihre Lebenssituation
nachhaltig zu verbessern. Das Motto der Schwestern ist:
Hilfe zur Selbsthilfe, denn Bildung ist die Basis jeder Entwicklung
und diese Investitionen bringen die besten und dauerhaftesten Erfolge. |
Folkloregruppe der Schule in Villarrica/Chile |
| Der Bericht über die Reise, über die Arbeit der Schwestern
und über die Situation und die Lebensumstände der Jugendlichen
in Chile löste bei den Schülern der damaligen Klasse 9 des Wirtschaftsgymnasiums
große Betroffenheit aus und sogleich aber auch die spontane Anregung,
bei dieser schwierigen Aufgabe zu helfen. Alle waren von der Idee begeistert,
und mit verschiedenen Aktionen bei Schulfesten hat die Klasse mit Kuchenständen
und Flohmarktverkäufen begonnen, Geld auf einem Konto zu sammeln.
Die Schülerinnen und Schüler haben dafür geworben, und auch
andere Klassen wurden von der Idee „infiziert“ und halfen mit eigenen Aktionen
mit.
Als im Jahr 1983 die damalige Schulleiterin aus Chile, Schwester Filonila,
auf Heimaturlaub war, kam sie auch nach Offenburg und berichtete eindrücklich
über ihre Arbeit in der Schule und die Situation in Chile. Die Unmittelbarkeit
des Erlebten beeindruckte die Zuhörer und sie konnten stolz über
ihre Hilfsaktionen aus den letzten zwei Jahren berichten, und der Schüler
Erdogan Karakus übergab der Ordensfrau das Sparbuch mit etwa 3.000,--
DM. Für die Klasse war klar:
„Wir machen weiter!“ |
Der Schüler Erdogan Karakus übergibt 1983 das
Sparbuch der Klasse 6WG9 an Schwester Filonila aus Villarrica / Chile |
| Im Jahr 1985 kam der damalige Schülersprecher unserer Schule mit
dem Vorschlag, den Weihnachtsbasar für alle Klassen unter das Motto
„HELFT UNS HELFEN“
zu stellen und den gesamten Erlös ausschließlich für
die chilenische Schule zu spenden. Mit überwältigender Mehrheit
sprachen sich die Klassensprecher/innen und ihre Stellvertreter/innen für
diesen Vorschlag aus, und seit dieser Zeit haben sich jeweils neue Schülervertreter/innen
in neuen Abstimmungen eindeutig für dieses Projekt entschieden.
Damals war nicht zu übersehen, dass dies der Anfang eines Sozialprojektes
war, das sich durch seinen Erfolg und seine Nachhaltigkeit auszeichnet
und das bis heute immer wieder mit außerordentlichem Engagement und
großem Ideenreichtum durchgeführt wird. Da kann auch der Erfolg
nicht ausbleiben. Waren es beim ersten Basar etwa 4.500,-- DM, die überwiesen
werden konnten, gingen im Dezember 2007 nach dem jüngsten Weihnachtsbasar
15.000,-- Euro nach Südamerika. Dabei steht für alle Beteiligten
nicht der finanzielle Erfolg oder ein neuer „Rekord“ im Vordergrund, sondern
die praktizierte Solidarität. Dieses Engagement ist aber auch ansteckend
und man kann auch von einer „Lawine“ des guten Willens sprechen. Schülerinnen
und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Sekretärinnen und Hausmeister,
Eltern und Ausbildungsbetriebe, Freunde der Schule und sogar anonyme Spender
beteiligen sich und bringen gemeinsam dieses großartige Ergebnis
zustande.
Natürlich gibt es heute viele Möglichkeiten zu helfen, aber
es gibt auch einige wichtige Argumente für unser Projekt. Jeder Helfer,
jede Helferin und jeder Spender, jede Spenderin weiß
1.wohin das Geld fließt,
2.wer dort über die Verwendung entscheidet,
3.dass jeder Cent dort auch ankommt und
4.dass wir immer eine „Quittung“ über den eingegangenen Betrag
und einen Bericht über die Verwendung bekommen.
Anlässlich ihres Besuches in Deutschland im Jahr 1994 berichtete
die neue Schulleiterin aus Villarrica, Schwester Luciana Wiest, persönlich
über ihre Arbeit und die Verwendung der Gelder und bedankte sich bei
der gesamten Schulgemeinschaft der Kaufmännischen Schulen Offenburg. |
Besuch von Schwester Luciana und Schwester Simona im
Oktober 1994 in Offenburg (OStD Fritz Trunz, Schwester Luciana, Schwester
Simona, StD Hans Ringwald) |
| Dass sich der Basar auch zu einem Treffpunkt für ehemalige Schülerinnen
und Schüler und Kolleginnen und Kollegen entwickelt hat, freut alle
Beteiligten und ist ein weiterer Grund, diese Idee zu fördern. Das
„Wiener Kaffee“ unter der Regie unseres Kollegen Hans Roth ist ein bevorzugter
Platz für einen gemütlichen Plausch. Die Angebote beim Basar
reichen von selbst gebastelten Geschenken, Adventskränzen, Plätzchen,
Geschicklichkeitsspielen, kulinarischen Angeboten z. B. mit einer originalen
und sehr beliebten Paella bis zu einer Tombola mit 2000 Losen, bei der
jedes Los gewinnt und vielen anderen, immer wieder neuen Attraktionen,
wobei auch musikalische Einlagen, eine Modenschau, eine „Geisterbahn“ und
ein Jongleur das breite Spektrum aufzeigen. Die großzügige Unterstützung,
die wir besonders auch durch die Ausbildungsbetriebe und Eltern erfahren,
zeigt wie sehr unser Projekt von allen akzeptiert wird. |
Schülerverkaufsstand beim Weihnachtsbasar |
| Die jährlichen Berichte der Schwestern, die immer in der Schule
bekannt gemacht werden und über die auch regelmäßig in
der Presse sehr positiv berichtet wird, geben ein beredtes Beispiel über
die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten für die Mittel aus
Offenburg. In Villarrica wurden z. B. neben der Mithilfe bei der Finanzierung
von Frühstück und Mittagessen auch die Einrichtung der Schulküche,
Heizung, Anschaffung von Kinderbetten für sehr arme Familien, Sanierung
eines Sportplatzes und Berufsausbildung für Jugendliche aus besonders
bedürftigen Familien finanziert.
Erstmals ging im Jahr 1997 ein Teil des Geldes nach Peru an die Sonderschule
für behinderte Kinder in Chimbote, die seit 1990 von chilenischen
und peruanischen Schwestern und der deutschen Schwester Damiana Sermersheim
aus Wagshurst betreut und geleitet wird.
In diesem Fischerhafen, einer Stadt mit ca. 400.000 Einwohnern und im
Jahr 2006 einer Arbeitslosigkeit von ca. 60 % kümmern sie sich um
die Ärmsten der Armen, um ca. 250 Kinder mit Behinderungen aller Art.
Für die meisten Kinder ist das einfache Mittagessen dort, eine Schüssel
mit Reis und Gemüse, die einzige Mahlzeit am Tage. Schwester Hildegard
und Schwester Damiana haben die Schulgemeinschaft ausführlich informiert,
und alle waren damit einverstanden, inzwischen den größeren
Teil des Erlöses in Peru einzusetzen, wo die Not so unheimlich groß
ist. Chimbote ist übrigens ein Ort, von dessen Besuch jeder Reiseführer
abrät, da die Geruchsbelästigung durch die Fischmehlproduktion
und die Luftverschmutzung durch die Schwerindustrie katastrophale Ausmaße
erreicht haben. Chimbote war übrigens auch im Jahr 1991 Ausgangspunkt
einer Cholera-Epidemie in Peru.
Doch lassen wir noch die verantwortlichen Schwestern aus Chile und Peru
zu Wort kommen.
Schwester Hildegard schreibt am 20.01.2007 aus Chile:
„Wie viel Planung und Vorbereitung, wie viel Zeit und Arbeit hat Ihnen
wohl dieses so erfolgreiche Projekt gekostet? Deshalb wollen wir allen,
die mitgeholfen haben, dass so etwas zustande kam, unser Lob und unsere
Anerkennung aussprechen mit einem herzlichen „Gott vergelte es“. In unserer
materialistisch ausgerichteten Zeit, in der bei einem Unternehmen meist
gefragt wird „Was bringt mir dies?“ verdient so ein selbstloser Einsatz
für eine gute Tat, höchste Auszeichnung. Dieses erfolgreiche
Projekt, das nun schon so viele Jahre zugunsten der Armen durchgeführt
wird, zeugt von einer hohen Qualität der Kaufmännischen Schulen
Offenburg. Mein besonderer Dank gilt der Leitung der Schule und allen Verantwortlichen
des Projekts.“
Nach einigen Informationen über besondere Hilfsaktionen für
Familien in Not führt sie weiter aus:
„In all unserer Erziehungsarbeit in den Schulen haben wir immer vor
Augen, dass eine gute Ausbildung der Grundstein ist, um eine bessere Zukunft
zu schaffen, mit anderen Worten der Anfang der Armutsbekämpfung. Mit
einer guten Volksschulausbildung haben die Jugendlichen Möglichkeiten
für eine anschließende Berufsausbildung und somit die Aussicht
auf einen Arbeitsplatz. Die „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist das Motto, das
uns immer wieder bewegt in unserer Missionsarbeit.“
Aus Chimbote/Peru schreibt Schwester Damiana am 5. Februar 2008:
„Mit einem Teil ihrer Spende müssen wir dieses Jahr das Dach eines
großen Saales, der für verschiedene Zwecke verwendet wurde,
erneuern. Es droht die Gefahr, dass die Eternit Canalones, die durch die
Hitze und vielen Jahre spröde und rissig wurden, herunter brechen.
Neben den großen täglichen Kosten wollen wir auch einen Teil
für die Einrichtung der Tropfkultur verwenden. Da wir Gemüse,
Mais, Camoten u.ä. anbauen, damit eine Gruppe der Behinderten auch
die landwirtschaftlichen Arbeiten kennenlernt, hoffen wir mit dieser Einrichtung
Wasser und Strom zu sparen. So gibt es Jahr für Jahr immer viele neue
Reparaturen und Sachen, die ausgebessert und erneuert werden müssen.“ |
Eine Gruppe behinderter Jugendlicher arbeitet in der
Schreinerei der Schule in Chimbote/Peru |
| Diese Informationen, der direkte Kontakt und die persönlichen
Berichte aus den dortigen Schulen sind immer wieder für alle Beteiligten
Anerkennung und Motivation mit diesem großartigen Sozialprojekt weiter
zu arbeiten, so dass aus einem kleinen Anfang die - fast - unendliche Geschichte
unseres Weihnachtsbasars für Villarrica/Chile und Chimbote/Peru wurde.
Hans Ringwald April 2008 |
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09.09.10
doc - position :
/basar/index.shtml
Spendenkonto
Basar Chile/Peru
Konto-Nr. 0011817408
Volksbank Offenburg (BLZ 664 900 00)
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